Orthopädische Behandlung: Konservative und operative Verfahren
Von Physiotherapie bis Gelenkersatz: wie orthopädische Erkrankungen untersucht und behandelt werden und welche Fragen vor einer Operation sinnvoll sind.
Von Redaktion Krankheitsbilder verständlich · Aktualisiert
Die Orthopädie befasst sich mit Erkrankungen und Verletzungen des Bewegungsapparats, also von Knochen, Gelenken, Muskeln, Sehnen, Bändern und der Wirbelsäule. Beschwerden in diesem Bereich gehören zu den häufigsten Gründen für Arztbesuche und Arbeitsunfähigkeit. Rückenschmerzen, Arthrose in Knie oder Hüfte, Schulterbeschwerden und Sportverletzungen sind typische Beispiele.
In Deutschland sind Orthopädie und Unfallchirurgie in einem gemeinsamen Facharzt zusammengefasst. Die Behandlung reicht von Beratung und Bewegungstherapie bis zu Operationen. Viele Erkrankungen lassen sich ohne Eingriff behandeln, und bei vielen Operationen ist sorgfältig abzuwägen, ob sie im Einzelfall Vorteile bringen.
Häufige orthopädische Erkrankungen
- Rückenschmerzen: Der größte Teil ist nicht auf eine eindeutig erkennbare Ursache zurückzuführen und wird als nicht-spezifisch bezeichnet. Die Beschwerden bessern sich häufig innerhalb weniger Wochen.
- Arthrose: fortschreitender Verschleiß des Gelenkknorpels, besonders häufig in Knie, Hüfte und Fingergelenken. Typisch sind Anlaufschmerzen und Bewegungseinschränkungen.
- Osteoporose: Abnahme der Knochendichte mit erhöhtem Risiko für Knochenbrüche, oft lange ohne Beschwerden.
- Erkrankungen von Sehnen und Schleimbeuteln: etwa an Schulter, Ellenbogen oder Achillessehne, häufig durch Überlastung.
- Fehlstellungen: wie Hallux valgus am Fuß oder Skoliose der Wirbelsäule.
- Verletzungen: Knochenbrüche, Bänder-, Meniskus- und Muskelverletzungen.
Diagnostik
Am Anfang stehen das ärztliche Gespräch und die körperliche Untersuchung. Dabei werden Beweglichkeit, Kraft, Stabilität, Schmerzpunkte und neurologische Funktionen geprüft. Bildgebung wird gezielt eingesetzt: Röntgen zeigt vor allem Knochen und Gelenkspalt, Ultraschall Weichteile wie Sehnen und Ergüsse, Magnetresonanztomografie Knorpel, Bänder, Bandscheiben und Nerven. Bei Osteoporoseverdacht wird die Knochendichte gemessen.
Wichtig ist, dass Bildbefunde zur klinischen Situation passen müssen. Abnutzungszeichen oder Bandscheibenvorwölbungen finden sich auch bei vielen Menschen ohne Beschwerden. Leitlinien zu nicht-spezifischen Kreuzschmerzen empfehlen deshalb, ohne Warnzeichen in den ersten Wochen auf Bildgebung zu verzichten.
Konservative Behandlung
Konservativ bedeutet ohne Operation. Diese Verfahren stehen bei den meisten orthopädischen Erkrankungen am Anfang:
- Bewegung und Physiotherapie: gezielte Übungen zur Kräftigung, Beweglichkeit und Koordination. Bei Rückenschmerzen und Arthrose gehört aktive Bewegung zu den am besten belegten Maßnahmen.
- Gewichtsreduktion: kann bei Übergewicht die Belastung von Knie- und Hüftgelenken verringern.
- Hilfsmittel: etwa Einlagen, Bandagen, Orthesen oder Gehhilfen.
- Medikamente: Schmerzmittel und entzündungshemmende Mittel können vorübergehend helfen, haben aber Nebenwirkungen und sollten ärztlich abgestimmt werden.
- Physikalische Therapie und Ergotherapie: Wärme, Kälte und Alltagstraining als Ergänzung.
Bei Osteoporose kommen neben Bewegung und Sturzvorbeugung je nach Risiko auch spezifische Medikamente in Betracht, deren Einsatz ärztlich festgelegt wird.
Operative Behandlung
Eine Operation kommt in Frage, wenn konservative Maßnahmen ausgeschöpft sind und Beschwerden oder Funktionseinschränkungen erheblich bleiben, oder wenn ein Befund unmittelbar operativ behandelt werden muss, etwa bestimmte Knochenbrüche. Häufige Eingriffe sind:
- Gelenkersatz (Endoprothetik): künstliche Hüft- oder Kniegelenke bei fortgeschrittener Arthrose. Sie gehören zu den häufigsten Operationen in Deutschland. Das Endoprothesenregister Deutschland erfasst eingesetzte Implantate, um ihre Haltbarkeit zu bewerten.
- Arthroskopie: Gelenkspiegelung über kleine Schnitte, etwa bei Meniskus- oder Kreuzbandverletzungen. Bei Arthrose des Knies hat der Gemeinsame Bundesausschuss die arthroskopische Behandlung wegen fehlenden Nutzennachweises weitgehend aus dem Leistungskatalog genommen.
- Osteosynthese: Stabilisierung von Knochenbrüchen mit Platten, Schrauben oder Nägeln.
- Wirbelsäuleneingriffe: etwa bei Bandscheibenvorfällen mit Lähmungen oder bei Einengungen des Wirbelkanals. Die Indikation sollte besonders sorgfältig gestellt werden.
| Situation | Häufiger erster Schritt |
|---|---|
| nicht-spezifische Rückenschmerzen | Bewegung, Information, ggf. Physiotherapie |
| beginnende Arthrose | Bewegungstherapie, Gewichtsmanagement |
| fortgeschrittene Arthrose mit starker Einschränkung | Abwägung eines Gelenkersatzes |
| verschobener Knochenbruch | häufig operative Stabilisierung |
Zweitmeinung und Entscheidungsfindung
Für bestimmte planbare Eingriffe, darunter einige orthopädische Operationen, besteht ein gesetzlicher Anspruch auf eine ärztliche Zweitmeinung. Welche Eingriffe dazu gehören, legt der Gemeinsame Bundesausschuss fest. Vor einer Operation sind Fragen hilfreich wie: Was ist das Ziel des Eingriffs? Welche Alternativen gibt es? Wie lange dauert die Rehabilitation? Was passiert, wenn abgewartet wird?
Sofortige ärztliche Abklärung, bei Bedarf über den Notruf 112, ist nötig bei Rückenschmerzen mit Lähmungen, Taubheit im Genital- oder Gesäßbereich oder Störungen beim Wasserlassen oder Stuhlgang, bei Gelenkschwellung mit Fieber sowie nach Unfällen mit Fehlstellung.
Rehabilitation nach Eingriffen und Verletzungen
Nach größeren orthopädischen Operationen wie einem Gelenkersatz schließt sich häufig eine Rehabilitation an, ambulant oder stationär. Sie beginnt oft als Anschlussheilbehandlung unmittelbar nach dem Krankenhausaufenthalt und wird je nach Lebenssituation von der Rentenversicherung oder der Krankenkasse getragen. Ziel ist es, Beweglichkeit, Kraft und Selbstständigkeit im Alltag wiederherzustellen. Der Erfolg hängt wesentlich davon ab, ob die erlernten Übungen auch danach regelmäßig fortgeführt werden. Das Krankenhaus organisiert die Antragstellung in der Regel über sein Entlassmanagement.
Häufige Fragen
Braucht man für die Orthopädie eine Überweisung?
Gesetzlich Versicherte können eine orthopädische Facharztpraxis grundsätzlich auch ohne Überweisung aufsuchen. In Hausarztverträgen können andere Regeln gelten.
Ist Schonung bei Rückenschmerzen sinnvoll?
Leitlinien empfehlen, möglichst aktiv zu bleiben. Längere Bettruhe wird nicht empfohlen.
Wie lange hält ein künstliches Gelenk?
Viele Implantate halten lange, die Haltbarkeit hängt aber von Implantat, Belastung und individuellen Faktoren ab. Das Endoprothesenregister liefert dazu Auswertungen.
Quellen
- Nationale VersorgungsLeitlinie Nicht-spezifischer Kreuzschmerz
- Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU): Patienteninformationen
- Endoprothesenregister Deutschland (EPRD): Jahresberichte
- Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA): Zweitmeinungsverfahren und Beschluss zur Arthroskopie bei Gonarthrose
Dieser Artikel fasst Wissen allgemein verständlich zusammen und kann eine individuelle Beratung nicht ersetzen.