Aromatherapie: Ätherische Öle und Wirkung
Ätherische Öle werden zur Entspannung und bei Beschwerden genutzt. Was zur Wirkung von Aromatherapie bekannt ist und welche Risiken zu beachten sind.
Von Redaktion Krankheitsbilder verständlich · Aktualisiert

Aromatherapie bezeichnet die Anwendung ätherischer Öle mit dem Ziel, das Wohlbefinden zu fördern oder Beschwerden zu lindern. Die Öle werden verdampft, eingeatmet, in Massageölen verdünnt auf die Haut aufgetragen oder Badezusätzen beigemischt. Lavendel, Pfefferminze, Eukalyptus, Teebaum und Zitrusöle gehören zu den bekanntesten Vertretern.
Aromatherapie gehört zur Komplementärmedizin. Viele Menschen empfinden Düfte als angenehm und entspannend. Zu unterscheiden ist allerdings zwischen subjektivem Wohlbefinden, pharmakologischen Wirkungen einzelner Inhaltsstoffe und belegtem Nutzen bei Erkrankungen. Zudem sind ätherische Öle hochkonzentrierte Stoffe, die bei falscher Anwendung Schaden anrichten können.
Was ätherische Öle sind
Ätherische Öle sind flüchtige, stark riechende Stoffgemische, die meist durch Wasserdampfdestillation oder bei Zitrusfrüchten durch Kaltpressung der Schale gewonnen werden. Sie enthalten oft Dutzende bis Hunderte einzelner Substanzen, etwa Terpene wie Linalool, Menthol oder 1,8-Cineol. Die Zusammensetzung schwankt je nach Pflanze, Anbaubedingungen, Erntezeitpunkt und Herstellung.
Rechtlich können ätherische Öle sehr Unterschiedliches sein: Arzneimittel mit Zulassung oder Registrierung, Kosmetika, Lebensmittelaromen oder einfache Duftprodukte. Nur bei Arzneimitteln wurden Qualität, Wirksamkeit und Unbedenklichkeit für ein bestimmtes Anwendungsgebiet behördlich geprüft. Für pflanzliche Arzneimittel hat der Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel der Europäischen Arzneimittel-Agentur Monographien erarbeitet, etwa zu Pfefferminzöl und Lavendelöl, die den Stand der Erkenntnisse zu einzelnen Anwendungsgebieten zusammenfassen.
Wie Düfte auf den Körper wirken können
Duftstoffe werden über die Riechschleimhaut wahrgenommen. Die Signale gelangen direkt in Hirnregionen, die an Emotionen und Gedächtnis beteiligt sind. Das erklärt, warum Gerüche Stimmungen und Erinnerungen auslösen können. Ein Teil der empfundenen Wirkung beruht auf Erwartung, persönlicher Vorliebe und der Situation der Anwendung, etwa einer ruhigen Umgebung oder einer Massage.
Einzelne Inhaltsstoffe haben darüber hinaus nachweisbare pharmakologische Eigenschaften. Menthol erzeugt auf Haut und Schleimhaut ein Kältegefühl. Manche Öle zeigen im Labor antimikrobielle Effekte. Laborergebnisse lassen sich aber nicht ohne Weiteres auf die Anwendung am Menschen übertragen.
Was die Forschung zur Wirkung sagt
Zur Aromatherapie gibt es zahlreiche Studien, viele davon klein, kurz und methodisch schwach. Eine Verblindung ist schwierig, weil Teilnehmende den Duft wahrnehmen. Systematische Übersichtsarbeiten, etwa der Cochrane Collaboration, kommen für verschiedene Fragestellungen, zum Beispiel bei Demenz oder Angst vor medizinischen Eingriffen, häufig zu dem Schluss, dass die Evidenz unsicher oder unzureichend ist. Teilweise deuten Studien auf eine leichte Verbesserung des subjektiven Befindens hin, ohne dass sich dies sicher von Placeboeffekten trennen lässt.
Für einige standardisierte pflanzliche Arzneimittel mit ätherischen Ölen liegen Anwendungsgebiete auf Basis langjähriger Verwendung oder klinischer Daten vor. Dies gilt aber für das jeweilige Präparat und Anwendungsgebiet, nicht für ätherische Öle allgemein. Aromatherapie ist kein Ersatz für eine Behandlung von Erkrankungen.
| Anwendungsziel | Einordnung |
|---|---|
| Entspannung, Wohlbefinden | subjektiv häufig positiv erlebt, Evidenz begrenzt |
| Schlaf, Unruhe, Angst | einzelne Studien mit Hinweisen, insgesamt unsicher |
| Erkältungsbeschwerden | einzelne zugelassene Arzneimittel, nicht auf Öle allgemein übertragbar |
| Behandlung von Infektionen oder schweren Erkrankungen | nicht belegt, kein Ersatz für Therapie |
Risiken und Nebenwirkungen
- Haut: Unverdünnte Öle können Reizungen und allergische Kontaktekzeme auslösen. Einige Inhaltsstoffe gelten als Kontaktallergene, insbesondere wenn Öle durch Licht und Luft oxidieren. Manche Zitrusöle machen die Haut lichtempfindlich.
- Einnahme: Ätherische Öle sind nicht zur Einnahme gedacht, sofern es sich nicht um ein entsprechend zugelassenes Arzneimittel handelt. Versehentliches Verschlucken, vor allem durch Kinder, kann zu Vergiftungen führen.
- Säuglinge und Kleinkinder: Menthol-, kampfer- und cineolhaltige Öle, etwa aus Pfefferminze oder Eukalyptus, dürfen nicht im Gesichtsbereich von Säuglingen und Kleinkindern angewendet werden. Sie können reflektorisch einen Atemstillstand oder Atemnot auslösen.
- Asthma und Atemwegserkrankungen: Intensive Düfte können Atemwegsreizungen und Asthmaanfälle begünstigen.
- Schwangerschaft und Stillzeit, Epilepsie: Für einzelne Inhaltsstoffe bestehen Gegenanzeigen. Eine ärztliche oder pharmazeutische Beratung ist sinnvoll.
- Haustiere: Katzen können bestimmte Bestandteile ätherischer Öle schlecht verstoffwechseln. Auch Duftlampen und Verdampfer in Räumen, in denen Tiere leben, können problematisch sein.
Sicherer Umgang im Alltag
Ätherische Öle gehören kindersicher aufbewahrt. Für die Anwendung auf der Haut sollten Öle verdünnt und Produkte mit klarer Kennzeichnung der Inhaltsstoffe verwendet werden. Räume sollten nach dem Verdampfen gelüftet werden. Treten Hautausschlag, Atembeschwerden oder andere Reaktionen auf, ist die Anwendung zu beenden. Nach Verschlucken durch Kinder geben die Giftinformationszentren rund um die Uhr Auskunft. Bei Atemnot, Bewusstseinsstörung oder Krampfanfällen gilt der Notruf 112.
Wer ätherische Öle bei Beschwerden einsetzen möchte, die länger anhalten, wiederkehren oder stark sind, sollte die Ursache ärztlich abklären lassen.
Auf einen Blick
Ätherische Öle: wichtige Sicherheitshinweise
- Nicht unverdünnt auf die Haut: ätherische Öle können Hautreizungen und Kontaktallergien auslösen.
- Säuglinge und Kleinkinder: Öle mit Menthol, Kampfer oder Eukalyptus (Cineol) nicht im Gesichtsbereich anwenden – sie können Atemkrämpfe auslösen.
- Nicht einnehmen: ätherische Öle sind keine Lebensmittel; Fläschchen kindersicher aufbewahren. Nach versehentlichem Verschlucken ein Giftinformationszentrum oder den Notruf 112 kontaktieren.
- Schwangerschaft, Asthma, Epilepsie, Allergien: vor der Anwendung ärztlich oder pharmazeutisch beraten lassen.
- Begleitend, nicht ersetzend: Aromatherapie ersetzt keine Abklärung von Beschwerden.
Häufige Fragen
Sind „naturreine“ Öle automatisch unbedenklich?
Nein. Natürlich bedeutet nicht harmlos. Gerade hochkonzentrierte Naturstoffe können Allergien und Vergiftungen verursachen.
Kann Aromatherapie Medikamente ersetzen?
Nein. Sie kann allenfalls das Wohlbefinden ergänzend unterstützen. Eine verordnete Behandlung sollte nicht eigenmächtig ersetzt werden.
Warum riechen Öle unterschiedlich stark, obwohl sie gleich heißen?
Die Zusammensetzung hängt von Pflanzenart, Herkunft und Herstellung ab. Bezeichnungen wie „Lavendelöl“ sagen daher wenig über die genaue Qualität aus.
Quellen
- Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA), Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel (HMPC): Monographien zu Pfefferminzöl und Lavendelöl
- Cochrane Library: systematische Übersichtsarbeiten zur Aromatherapie
- National Center for Complementary and Integrative Health (NCCIH): Informationen zu Aromatherapie und ätherischen Ölen
- Giftinformationszentren der Länder: Hinweise zu Vergiftungen mit ätherischen Ölen
Dieser Artikel fasst Wissen allgemein verständlich zusammen und kann eine individuelle Beratung nicht ersetzen.